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| Lothar Baumgarten |
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Seven Sounds / Seven Circles 25 | 04 – 21 | 06 | 2009 |
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Einladungsheft
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1 Lothar Baumgarten
Nachtflug, 1968 – 69
2 Lothar Baumgarten
America Señores Naturales, 1984
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Lothar Baumgarten hat Ende der 1960er-Jahre zusammen mit anderen
bedeutenden Künstlern der Zeit wie Joseph Beuys, Walter de Maria oder
Robert Smithson die Grenzen der Kunst besonders in der
Auseinandersetzung mit der Natur und in der Reflexion über sie
entscheidend erweitert. Anders jedoch als seine amerikanischen Kollegen,
die sich an der Macht der Realität orientierten, hinterfragte Lothar
Baumgarten den eurozentrischen Blick und ließ sich im Wechsel von
Recherche und Dokumentation auf die Begegnung mit dem unbekannten
Anderen vor Ort ein. Immer wieder hat er durch seine ephemeren,
dreidimensional materialisierten Äußerungen, Zeichnungen, Fotografien,
Lichtbildprojektionen, Filme und dokumentarischen Tonaufzeichnungen
das Phantom der »Natur« in der Kultur aufgespürt. In langfristig angelegten
Projekten entwickelten sich Vorstellungsräume, die sich vor allem mit
unterschiedlichen kulturellen Systemen und ihren spezifischen Raum- und
Zeitvorstellungen auseinandersetzen.
Für Bregenz entsteht ein auch für den Künstler radikal neues Werk.
Ausgehend von Tonaufzeichnungen, die in einem Zeitraum von vier Jahren
nördlich von New York auf der Halbinsel Denning’s Point im Hudson River
gemacht wurden, wird Lothar Baumgarten für drei Stockwerke des KUB
sieben phonische Skulpturen, eine Audioarbeit, realisieren. Es sind
Hörstücke urbanen Charakters, die durch wechselnde klimatische
Gegebenheiten, die Stimmen der Tiere und Geräusche der Pflanzen, die
Bewegungen von Mensch und Maschine bestimmt sind. Ein Dokument
vorgefundener Umstände, das eine phonische Realität hörbar macht, die
jahreszeitlichen Wechsel erfährt (Eisschollen, Diesellokomotiven,
Ochsenfrösche, Wind und Regen ...). Der Besucher wird in der leeren
Architektur des Gebäudes auf jedem Stockwerk mit einem anderen Klangbild von jeweils einer Stunde Dauer konfrontiert. Diese Tonstücke
erhalten ihren Klangkörper und skulpturalen Charakter erst durch die
Komplexität ihrer Intonation. Sie haben sinfonische Dimension. Eine
spezielle Surround-Sound-Technik versetzt den Hörer quasi an den Ort der
Ereignisse selbst und lässt ihn die Dramatik und gewaltige Inszenierung
Kultur gewordener Natur erleben. |
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1 Lothar Baumgarten Tableau Vivant, 1969
2 Lothar Baumgarten
Theatrum Botanicum,
1993 – 94
Fondation Cartier
pour l´Art Contemporain, Paris
3 Lothar Baumgarten
Amazonas-Kosmos, 1969/1971
4Lothar Baumgarten
Caiman, 1970
© Lothar Baumgarten, VBK, Wien, 2008 |
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Auszug aus dem Text von Kaira Cabañas. Den vollständigen Text finden Sie im beiliegenden Heft zur Ausstellung:
»Der Ausgangspunkt für die aktuelle Ausstellung Seven Sounds / Seven
Circles ist Denning’s Point, eine stark bewaldete, überwucherte Halbinsel
am östlichen Flussufer des Hudson River. Der erste Teil der Ausstellung
besteht aus drei Projektionen mit Bildern dieses »Wasteland«, dem
vormaligen Firmensitz der Denning’s Point Brick Works Company. Im
Verlauf der Betrachtung der 404 synchron projizierten Lichtbilder werden
für den Besucher durch abstrakt anmutende Kompositionen der Vegetation
die Dynamik des Wachstums und dessen latente Vergänglichkeit
erkennbar. Er wird auch die noch immer auf dem gesamten Gebiet
vorzufindenden, kaum sichtbaren industriellen Spuren entdecken können.
Der zweite Teil der Ausstellung umfasst sieben ebenfalls auf der Halbinsel
aufgezeichnete Audio-Bilder von jeweils einer Stunde Dauer. Auf drei
Etagen und unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen präsentiert,
vermitteln diese »Phonischen Skulpturen« durch ihre atmosphärische
Präsenz und das unerwartete Zusammenfließen verschiedener
Klangstrukturen natürlichen wie auch industriellen Ursprungs eine
ausgeprägte Vorstellung des Orts. Tatsächlich spricht das, was
Baumgarten als »eindringlichen Dialog zwischen Kultur und Natur«
vorführt, ihre andauernde Koexistenz vor Ort, eine eigene Sprache. Die
Einrichtung der Arbeit im Kunsthaus Bregenz sprengt die Grenzen unserer
Erwartung dessen, was wir zu hören glauben im Stande sind.»
(Kaira Cabañas, 2009)
Zitat Lothar Baumgarten:
»Es handelt sich um sieben »Phonische Bilder» von je 60 Minuten Dauer.
Sie wurden seit 2004 in vielen Sitzungen mit einer Surround-Sound-
Technik auf 24 Bit und 96 KHz aufgezeichnet.
Diese Hörstücke haben sinfonischen Charakter. In zyklischer Anlage folgen
die Sätze aufeinander und gliedern ihren Zusammenhang. Sie leiten sich
her aus akustischen Gesetzmäßigkeiten die durch Melodik und Tonalität ihre Stimmungen hervorbringen. Es sind »Orchesterwerke», die durch ihre
sinfonische Dimension und Tonsprache den Ort in seiner phonischen
Realität wiedererschaffen. Ihnen ist jene gewaltige Macht der Imagination
eingeboren, die erst am Ende einer Stunde des Hörens entlässt, ohne
jedoch die Umstände vor Ort vollkommen preiszugeben. Es bleibt die
Ungewissheit über das, was, wo und wie man hört. Die Strukturen dieser
suggestiven Klangwelt evozieren jeweils eigene, innere Bilder dieser
Wegstrecke. Rhythmus und Intervalle überlagern sich zu einem
mehrdimensionalen, fortwährenden chromatischen Unisono des Chors der
in permanenter Steigerung die Ereignisse vorbereitet.»
(Lothar Baumgarten, 2009) |
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Lothar Baumgarten,
geboren 1944 in Rheinsberg, lebt und arbeitet in Berlin. 1968 – 71 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, Student bei Joseph Beuys. 1977 und 1986: Reise nach Brasilien und Venezuela, Leben mit einheimischer Bevölkerung. Ausstellungen (Auswahl): MACBA, Barcelona; Migros Museum, Zürich (2008); MUMOK, Wien (2006); Hamburger Kunsthalle (2001); Guggenheim, New York (1993); Stedelijk Museum, Amsterdam (1985); documenta X (1997), IX (1992), 7 (1982), (1972). Die Arbeiten des Konzeptkünstlers Lothar Baumgarten beschäftigen sich im Besonderen mit dem antithetischen Zusammenspiel von Natur und Kultur und Themen wie Kolonisation und Zivilisation. |
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