GARY HUME   The Bird had a Yellow Beak      24 I 01 I 04 - 21 I 03 I 2004      
     
   
 

   
    Dream, 1991
Glanzlack auf Aluminiumplatte
208 x 140 cm
Sammlung Dr. Jordan Gutterman
und Eleanor Gutterman
Small Disappointment, 2003
Glanzlack auf Aluminiumplatte
180 x 250 cm
Courtesy Gary Hume
Foto: Stephen White
     
       

Jealousy and Passion, 1993
Glanzlack, Bleistift und
Pappe auf Holzplatte
201 x 133 cm
Privatsammlung
Courtesy Jay Jopling/White Cube (London)
Foto: Stephen White






Rome V, 1993
Pastell auf Papier
147 x 97 cm
Sammlung Gael Boglione
Foto: Stephen White





  Mit fast 70 Werken von den späten 80er-Jahren bis heute zeigt das Kunsthaus eine der bisher größten Einzelausstellungen des Künstlers sowie die erste umfassende Schau im deutschsprachigen Raum. 27 großformatige Gemälde, und 39 Zeichnungen sowie eine Skulptur geben einen umfassenden Überblick über das Schaffen dieses wichtigen Vertreters der neuen britischen Kunst.
Gary Hume (geb. 1962 in Kent, England) wurde Ende der 80er-Jahre mit der Serie "Doors" einer der Shooting Stars der Young British Art. Bis heute entstanden etwa 50 Werke, die zu dieser Serie zählen. In Bregenz ist eine repräsentative Auswahl zu sehen, u.a.: " Door", 1988, eine der ersten Arbeiten, "Dream", 1991, "Girl Boy, Boy Girl", 1991 und "All He Knows", 2000. Den zumeist mehrteiligen, aneinander gereihten Gemälden auf MDF-Platten oder Leinwand liegen Format und formale Struktur real existierender Türen von öffentlichen Institutionen wie Krankenhäusern, Schulen etc. zugrunde. Mit der Aneinanderreihung der Türbilder und ihrer reduzierten Gestaltung nimmt Gary Hume Bezug auf die Heroen der 60er- und 70er-Jahre der amerikanischen "Color Field"-, "Hard Edge"- und "Shaped Canvases"-Bewegung.

Ellsworth Kelly hatte bereits 1949 in einem seiner Schlüsselwerke, "Window, Museum of Modern Art, Paris", die Proportionen und Maße eines Fensters des Pariser Museums auf zwei zusammengesetzten Leinwänden zum Ausgangspunkt seiner "Anti-Komposition" gemacht. Neben den bekannteren Türbildern schuf auch Gary Hume eine ganze Reihe von Fensterbildern. Gary Humes Spiel mit kunsthistorischen Querbezügen und sein Humor zeigen sich z.B. auch darin, dass die runden Fensteröffnungen und rechteckigen Türgriffe der "door panels" unwillkürlich an die abstrahierte Mickymaus der berühmten Stahlskulptur "Geometric Mouse, Scale A", 1969, von Claes Oldenburg gemahnen. In "Welcome", 2002, wird das Türbild tatsächlich zu einem lächelnden Gesicht - einem Smiley, indem der Künstler den beiden runden Fenstern eine halbkreisförmige Linie hinzufügt. Die abstrakten Bildelemente und Formen - Quader, Rechteck und Kreis - werden bei Hume inhaltlich doppelt besetzt: Bilder können Fenster oder Türen werden und umgekehrt oder aber auch Gesichter.

Die Ambivalenz von Formen, die mehrfache Lesbarkeit, das Auseinanderfallen von Vorder- und Hintergrund, Figur und Grund, von positiver und negativer Form ziehen sich durch das gesamte Werk. In den Gemälden "Love Love's Unlovable", 1991 und "Jealousy and Passion", 1993 und in der Serie "Rome", 1993, spielt der Künstler mit der silhouettenhaften Ansicht muskulöser Athleten der Skulpturen einer Sportarena Roms aus der Zeit Mussolinis. Die heroischen Posen - in leichter Unteransicht wiedergegeben - wirken eigenartig deformiert. Die Figuren werden vor der Hintergrund-Folie ornamentaler Blatt- und Blütenformen als Hohlform, gefüllt oder als Schatten wahrgenommen. Es entsteht der Kippeffekt eines Vexierbildes - einmal tritt zuerst der Hintergrund, dann die Form im Vordergrund in Erscheinung.

Den bislang noch zu wenig beachteten Zeichnungen Gary Humes ist ein ganzes Stockwerk im Kunsthaus gewidmet. Zu den schönsten Arbeiten zählen seine Pflanzen- und Blumenarbeiten. Hier könnte eine Genealogie der Eleganz und Linienschönheit und der Sparsamkeit der Mittel zu den Arabesken eines Henri Matisse sowie den berühmten "plant drawings" Ellworth Kellys gezogen werden. Auch der menschliche Körper, oft nur Teile davon - Knie, Hand, Unterarm -, wird mit einer durchgehenden Konturlinie auf das Äußerste vereinfacht und dabei voll lebendiger Spannung festgehalten.

 

   
           

 

Die Zeichnung bzw. Umrisslinie spielt auch bei den Gemälden eine zentrale Rolle. Sie bildet den Rahmen für die bis an die Konturlinien vollflächig gefüllte Farbe. Gary Hume entwickelte eine unverwechselbare Maltechnik zur Umsetzung seiner Vorstellungen. Er benutzt im Handel erhältliche Haushaltslacke in bereits gemischten Farbtönen, die er auf den horizontal liegenden Bildträger gießt. Um eine glatte, ebene Oberfläche zu erhalten, verwendet er als Bildgrund Aluminiumtafeln. Die Farbflächen bilden einen eigenen Farbkörper. Teilweise halten sie zur nächsten Fläche und Linie Abstand, teilweise fließen sie über die Linienzeichnung hinweg und überdecken sie. Auf manchen Gemälden zeichnet der Künstler mit dem Pinsel in die noch nasse Farbfläche, so dass die Zeichnung als Vertiefung aufscheint. Grundsätzlich gilt, dass die Malerei Gary Humes nur im Original ihre Wirkung entfalten kann. Durch den Glanz- und Spiegeleffekt der Lackfarbe, die oft nahe beieinander liegenden Farbwerte, die nur im Streiflicht wahrnehmbare Reliefbinnenzeichnung entzieht sie sich weitgehend der Reproduktion durch Fotografie und Druck - eine Strategie zur "Rettung der Malerei".
Zu den Motiven seiner Malerei befragt, antwortete Gary Hume, er male "Flora, Fauna und Portrait", - also Pflanzen, Tiere und Menschen. Gary Hume gelingt es aus dem kollektiven, durch den täglichen Gebrauch abgenutzten Bilderschatz - seien dies Ikonen der Pop- und Modekultur, wie in "Michael", 2001 (Michael Jackson), und "Kate", 1996 (Kate Moss), des kunsthistorischen Erbes, wie in "After Vermeer",1995 oder aus der Bilderbuchwelt der Kindheit, in "Bird on a Branch", 1998 und "Bear", 1994, - neue gültige Versionen dieser Bilder in die Gegenwart herüberzuretten. Er findet und erfindet neue Bilder einer gebrochenen, gefährdeten Schönheit, mit Linien und Farbflächen, die sich gegenseitig stören und steigern, und mit Farben in eigenartigen Mischtönen und Zusammenstellungen voller Harmonie und Spannung.


Dead Head, 2003
Glanzlack auf Aluminiumplatte
95 x 68 cm
Privatsammlung
Courtesy Matthew Marks Gallery,
New York
Foto: Stephen White
 
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