L  I  F  E  S  T  Y  L  E   11 I 07 I 98 - 20 I 09 I 98      
   
           
   

Kunstwelt ohne Grenzen? Interview Edelbert Köb - Jèrôme Sans
Iké Udé, Arbeit aus der "Cover-Girl"-Serie, 1994-1997, Fotografie
Cindy Sherman, Untitled (Post Card Series for Comme des Garcons), 1994 , Fotoarbeit Regina Möller, regina-Zeitschrift LIFESTYLE Kunst in den Grenzbereichen von Mode, Design, Styling, Interieur

 
       
   
             
       
    John Armleder (CH/USA) - Thomas Bayrle (D) - Gilbert Bretterbauer (A/USA) - Angela Bulloch (CAN/GB) - Daniele Buetti (CH) - CALC - Koeppel/Martinez (A/ES/CH) Plamen Dejanov (A) - Die Damen (A) - Tone Fink (A) - FLATZ (D/A) - Sylvie Fleury (CH) - Jochen Flinzer (D) - Rainer Ganahl (A/USA) - Swetlana Heger (A) - Birgit Jürgenssen (A)- Stefan Kern (D) - Peter Kogler (A) - Hans Kupelwieser (A) - Natacha Lesueur (F) - Regina Möller (D) - Yasumasa Morimura (Japan) - Markus Muntean (A) - Flora Neuwirth (A) - Ona B.(A) - Michelangelo Pistoletto (I) - Pipilotti Rist (CH) - Gerwald Rockenschaub (A) - Adi Rosenblum (A) - Elfie Semotan (A) - Cindy Sherman (USA) - Sarah Staton (GB) - Haim Steinbach (USA) - Ingeborg Strobl (A) - Tomato (GB) - Jochen Traar (D/A) - Iké Udé (USA) - Franz West (A) - Erwin Wurm (A) - Can Yasargil (CH) - Heimo Zobernig (A)

In den 80er Jahren hat der Begriff "Lifestyle" in verschiedenen Zusammenhängen Bedeutung gewonnen. Von den Sozialwissenschaften geprägt und von den Marketingstrategien der Werbewirtschaft geortet, wurde "Lifestyle" für die Yuppiegeneration zum Erkennungszeichen unter Gleichgesinnten. Die Dinks (= double income, no kids) trafen sich nach einem Sechzehnstundentag auf einen Drink und erkannten sich an der Kleidung mit dem richtigen Markenschild.

In den 90er Jahren zerrissen Meldungen von zunehmender Arbeitslosigkeit, ökonomischer Depression und ökologischen Katastrophen das Band zwischen Arbeit, Geld und Schönheit. Mit Grunge hielt depressive Musik Einzug in die Popkultur, Beck sang 1994 "I'm a looser, baby, why don't you kill me?" auf allen Radiostationen. Nicht mehr Darstellung neuen Reichtums und seiner Attribute, sondern das Unterlaufen der ökonomischen Werte durch eine Ästhetik des Häßlichen, Kitschigen, Wertlosen, aber auch des Einfachen, Selbstverständlichen, wurden im zeitgenössischen Retro-Kult zu einem Lebensstil, der zu dem des "Lifestyle" in scharfem Kontrast steht.

Heute, im Zeitalter seines Verschwindens, markiert dieser Begriff eine grundlegende Neuorientierung der Gesellschaft: Die Freundschaft zwischen Ökonomie und Ästhetik wurde aufgekündigt. Die Krise des "Lifestyle" ist nicht nur eine Frage des Stils, sondern des zentralen, emotionalen und kommunikativen Zusammenhalts einer Gesellschaft, die als Konsumgesellschaft definiert ist. Individuelle Lebensentwürfe und soziale Verständigung sind immer schwerer artikulierbar, so sehr haben sich die Komplexität der Bedeutung und die Geschwindigkeit der Codierung und der Re-Codierung von Waren gesteigert.

In dieser Situation liegt es nahe, die Künstler - als Spezialisten für das Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaft - zu befragen, wie sie mit diesen auf der Ebene ihrer Werke umgehen. Die Anworten sind vielfältig. Denn die Kunst der Moderne hat seit Anbeginn mit der Grenze zwischen Kunst und Alltagskultur experimentiert. Sei es, daß das Leben ins "Gesamtkunstwerk" aufgehoben werden sollte, sei es, daß umgekehrt die Kunst ihre Grenze zum Leben immer wieder dahingeben wollte. Übergänge und Entgegensetzungen, Parallelitäten und Zurückweisungen, Vereinnahmungen, Umdeutungen und Ironisierungen finden sich auf der Palette der Verhältnisse, in denen die Ästhetik der Kunst zu der des Alltags stehen kann. Zwischen Kunst und "Lifestyle" gibt es eine unentrinnbare Haßliebe, eine paradoxe Verbindung und eine Bindung an die Paradoxie: Kunst muß, um Kunst zu sein, sich von anderen Ästhetiken abgrenzen, zugleich aber ihre Abgrenzungen stets überschreiten. Die Unvereinbarkeit dieser beiden Regeln führt zu Flirt, Krieg und deren unendlicher Vermischung. In der Ausstellung "Lifestyle" stellen sich Künstler den Paradoxien ihres Verhältnisses zum Alltagsleben, geben Einblick in ihre Liebes- und Haßbeziehungen zur Schönheit des Alltäglichen.

 
             
       
             

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Im Erdgeschoß stimmt eine Lounge auf die Ausstellung ein. Zeitschriften und Magazine zu den Themen Mode, Architektur, Design liegen auf. Verschiedenste Plakate und Flyer bilden einen dokumentarischen Querschnitt . Die Lounge ist mit benutzbaren Möbelskulpturen von Künstlern ausgestattet: Lederbänke von Michelangelo Pistoletto (I), Ledersofas von Stefan Kern (D), ein weißer Sessel, ein Tisch und zwei Stühle von Can Yasargil (CH), das blaue Sitzkissen von Hans Kupelwieser (A) und die gelbe Leseboje von Rainer Ganahl (A/USA).

Die Künstlerinnengruppe "Die Damen" (A) steuert Fotoarbeiten für einen Kalender der Austria Tabak Werke bei, zwei Mitglieder der "Damen" (Birgit Jürgenssen, Ingeborg Strobl) sind auch mit Arbeiten im ersten Stockwerk zu sehen, Ona B. hat für den Außenraum ein Plakat für die Firma Skiny Bodywear geschaffen.

Von Iké Udé (USA) ist die Arbeit "Covergirl" zu sehen, bestehend aus nachgestellten Zeitschriftencovern. Udé geht der Frage nach dem ausgrenzenden Potential der Medien, insbesondere der Lifestyle-Magazine, nach. In einer eigenen Zeitschrift "aRUDE" verwirklicht er seine Vorstellungen einer Kulturpublikation. Von Regina Möller (D) liegen Exemplare der Zeitschrift "regina" auf. In ihrer formalen Gestaltung ist "regina" einer herkömmlichen Frauenzeitschrift zum Verwechseln ähnlich. Die Inhalte allerdings setzen sich kritisch mit jeweils anderen Themenschwerpunkten auseinander.

Die Künstlergruppe CALC (A/CH) installiert ihr Projekt TIMEcloud nach dessen Premiere in Biella bei Turin beim "Progetto Arte" mit Michelangelo Pistoletto im Foyer des Kunsthauses. Diese Fiberglas-Polyvinylchlorid-Larve dient als "Internet-Architektur". Die Besucher können TIMEcloud II nur virtuell, über das Internet, an einem Monitor im Foyer betreten. Über die im Inneren installierten Computer hat der virtuelle Besucher die Möglichkeit, Bilder, Texte und Statements ins Kunsthaus zu senden. Die Larve TIMEcloud II entpuppt sich so als eine interaktiven Skulptur des Cyber-Age.

Zu sehen sind im Foyer verschiedene Videoarbeiten: von Haim Steinbach (USA) eine Modenschau für den Modekonzern Strenesse Group, von Peter Gersina (D) ein Video sowie ein Künstlerplakat. 1997 rief Gersina den Dienstleistungsservice "westArt: FIRST AID for BAD ART" ins Leben und betreut seither mit einem Team von Psychologen, Ärzten und Kunsthistorikern potentielle "art victims" auf großen Kulturveranstaltungen in ganz Europa. Sylvie Fleury (CH), die auch an der begehbaren Skulptur im dritten Obergeschoß beteiligt ist, zeit die Videoarbeit "Beauty Case".

Untergeschoß Die Farbgebung der von CALC mit dem Architektenduo Koeppel/Martinez (CH) entworfenen Sitzquader hat Pipilotti Rist (CH) mitbestimmt. Die Farben korrespondieren mit ihren Videoarbeiten. Pipilotti Rist schafft Videokunst, zu der sie zum Teil auch die Musik selber schreibt. Ihr experimenteller Stil vermischt die Videoclip-Ästhetik mit visuellen Verfremdungen und Bildstörungen. In Ergänzung dazu sind abwechselnd im Programm Videoarbeiten von Sylvie Fleury zu sehen.

 
             
 
 
             

 

 

1. Obergeschoß

Hier finden sich Arbeiten von KünstlerInnen, die die Grenzbereiche von Kunst und Werbung, von Kunst und Mode ausloten. Die Künstler greifen Anregungen und Bilder aus den Medien auf, verfremden und ironisieren sie. Zugleich bedient sich die Werbung der Anregungen aus der Kunst, um immer wieder innovativ und neu zu erscheinen. Zu beobachten ist eine zunehmende Vermischung von Kultur und Ökonomie, die Beziehung zwischen bildender Kunst und Werbung steht stellvertretend für eine fortschreitende Annäherung und Durchdringung. Die künstlerische Produktion dient der Sinnstiftung der Ökonomie, gleichzeitig wird Kultur immer mehr nach ökonomischen Gesichtspunkten bewertet.

Cindy Shermans (USA) großformatige Fotoarbeiten dienten einem großen Modekonzern in Paris, Comme de Garçon, als Vorlage für eine Werbeaktion (siehe Erdgeschoß). Mittels Kostümierung, Maske und arrangierter Hintergründe erzeugt die Künstlerin immer wieder neue geheimnisvolle Szenerien um sich. Auch wenn sie keine direkte Vorlage kopiert, entsteht ein hoher Wiedererkennungswert dadurch, daß Sherman Rollen ausfüllt, die der Betrachter kennt. Dabei geht es ihr nie um die Darstellung ihrer eigenen Person, sondern um die Bloßstellung der Klischees von Weiblichkeit in unserer Gesellschaft.

Yasumasa Morimura (Japan) nimmt in seinen Fotoarbeiten wie Cindy Sherman sich selbst als Modell. Er benützt bekannte "Ikonen" aus der Kunstgeschichte oder aus der Welt der Filmstars. Indem er - als Japaner - diese Bilder möglichst detailgetreu nachinszeniert, deckt er zugleich den weltumspannenden Einfluß der europäisch-amerikanischen Kulturindustrie auf. Eine zusätzliche Irritation erfahren seine Werke durch das Schlüpfen in weibliche Rollen. Zu sehen sind Arbeiten Morimuras aus der Serie "Actresses/Self Potraits".

Ingeborg Strobl (A) zeigt ein Ensemble, in dem sie sich mit einem durchsichtigen Leibchen mit Keramikbrustwarzen und einer Postkartenediton auf die Vermarktungsstrategien des weiblichen Körpers durch die Wäscheindustrie bezieht und den erotischen Aspekt von Bekleidung vor Augen führt.

Birgit Jürgenssen (A) arbeitet mit Bezügen zum eigenen Körper, sie benutzt ihn als Projektionsfläche für kulturelle Codes und ihre Kritik daran. Die gesellschaftlichen Konstruktionen von Weiblichkeit werden von ihr in Frage gestellt. Auf ihren Fotoarbeiten "Gummis" erscheint ihr Körper in einem Zerrspiegel, der weibliche Schuh als Fetisch. Fotografisch verfremdete Projektionen eines Innenraumes werden auf Kissen eines Bettes, sowie auf Leibchen aufgedruckt und präsentiert. Das Ensemble gestaltet sie als "Zimmer der Dame".

Marie Legros (F) zeigt das Video einer Performance im Office by Sautter, eines Geschäftes für Designer-Büromöbel in der Bregenzer Innenstadt. Die Performance fand im Rahmen der "Kunst in der Stadt" statt. Die Kamera fokussiert dabei auf die Füße der Künstlerin, die "über die Dinge gehen".Von Halm Steinbach (USA) wurde speziell für die Ausstellung eines seiner typischen Wandbords mit kleinen Parfumminiaturen (Jean-Paul Gaultier) hergestellt. Diese Miniflacons, eigentlich als Verkaufshilfe gedacht, sind mittlerweile zu wertvollen Sammlerobjekten geworden. Durch die Präsentation im Museum entrückt der Künstler Alltagsgegenstände der herkömmlichen Betrachtung und gewinnt ihnen neue skulpturale Bedeutung ab.

Daniele Buetti (CH) arbeitet mit Fotografien aus Modemagazinen, die Ästhetik der Werbefotografie ist sein Ausgangsmaterial. Mit einfachen Techniken verfremdet er die Bilder, fotografiert sie wiederum und arrangiert sie neu. Im Wortsinn kratzt er an der Oberfläche der Hochglanzmagazine, die Welt der Supermodels erfährt dadurch eine empfindliche Störung.

FLATZ (D/A) setzt sich selbst auf Plakaten in Szene. "Mut tut gut" ist eine Arbeit für die Zigarettenmarke NIL, eine hinterleuchtete Selbstdarstellung erfolgt in "The Golden Mastercard". Seine Skulptur "Mondrian", ein bemaltes Motorrad, steht für eine weitere wichtige Werkgruppe des Künstlers, die "Physical Sculptures".

Erwin Wurm (A) hat für eine Wäschefirma eine Serie von Fotoarbeiten geschaffen. Konsequent verfolgt Wurm seinen bildhauerischen Ansatz weiter, Gefäße spielen in seinem Werk eine besondere Rolle. Hier dienen die Kleidungsstücke als Hohlkörper, als Hülle, die der Mensch mit seinem Körper ausfüllt.

Flora Neuwirth (A) ist mit einem pastellfarbenen Ensemble vertreten, das die Grundmodule von Design und Farbgebung thematisiert. Ihren Arbeiten gibt Neuwirth den leitmotivischen Titel "fnsystems".

Jochen Traar (A/D) hat für die Ausstellung eine überdimensionale Kleenex-Box gebaut. Darin befindet sich ein Monitor mit Internet-Anschluß. Großformatige Lampen verbreiten ein intimes rotes Licht, wenn der Besucher sich per Internet seine "Traumfrau" bis ins Detail zusammenstellt.

Angela Bulloch (GB) bietet ihre drei großen "Happy Sacks" an. Sie thematisiert die Ausstellungssituation im Museum selber, durch die Kopfhörer abgeschirmt kann sich der Besucher eher in einem angesagten Lifeclub denn in einem Museum fühlen. Eigens arrangierte Bulloch trendigen Techno- und Progressive House-Musik.

Die Fotoarbeiten von Natacha Lesueur (F) verarbeiten Lebensmittel als Motive: die Beine des Models sind nicht in Spitze gekleidet, wie es den Anschein hat, sondern in Schweinenetz. Die Porträts zeigen irritierende Gemüse-Arrangements.

Jochen Flinzer (D) hält seine "Grüße aus Moriya" als Stickerei auf Seidenstoff fest, wie bei einer Tätowierung auf der Haut hinterläßt die Nadel das Muster auf dem Stoff. Die abstrakten Muster der einen Seite haben auf der anderen Seite ein konkretes Äquivalent. Vorder- und Rückseite gibt es bei dieser Arbeit nicht.

Thomas Bayrle (D) zeigt drei PVC-Mäntel aus den 60er Jahren mit graphischen Tassen-und Schuhmotiven und kontrastiert diese für die Ausstellung mit einer Tapete. Die Technik ist geblieben, die Motive jedoch haben sich sehr stark verändert.

 
             
       
             
   

2. Obergeschoß

Dieses Geschoß wurde von den österreichischen Künstlern Peter Kogler / Elfie Semotan, Franz West, Heimo Zobernig, Marcus Geiger / Stefan Bidner gestaltet. Die Grenzen zwischen benutzbaren Objekten und reinen Kunstgegenständen sind aufgehoben. Die Möbel/Objekte befinden sich im experimentellen Spannungsfeld zwischen Ausstellungssituationen und Gebrauchsobjekten. So haben Franz West und Heimo Zobernig ein Café-Restaurant in Wien eingerichtet. West hat zudem mit den hier plazierten Stühlen den 1997 Vortragsraum der Documenta X in Kassel ausgestattet. In einer offenen Situation gruppieren sich um eine funktionsfähige Bar (Geiger/Bidner) mehrere Tisch/Sesselgruppen (West/Zobernig), ein Musikpodium (Franz West) als Aufforderung zu gesellschaftlichen und künstlerischen Aktivitäten (Musik, Lesungen). Zu sehen ist das Video und Objekte einer Musik-Performance von Iris Gerber (CH).

Gegenüber plazieren sich Stahlobjekte von Heimo Zobernig wiederum in einem experimentellen Spannungsfeld zwischen Skulptur und Gebrauchsgegenstand. Peter Kogler schafft Ganzkörperbodys mit seinen signifikanten Motiven Röhre, Ameise, Hirn, die in einer Modenschau präsentiert wurden. Die Bodys wurden von Elfie Semotan fotografiert, die Fotografien digital auf drei großflächige Gewebe gedruckt, die den Raum gliedern. Die fliegenden Frauenkörper, ähnlich Batwoman, verfremden den Raum und erzeugen eine extravagante und zugleich puristische Lifestyle-Stimmung der späten 90er Jahre.

Hier wurde eine von Gerwald Rockenschaub (A) konzipierte begehbare Skulptur errichtet, deren Grundmaße 12 x 10 x 4 Meter betragen. Die Ausgestaltung erfolgte durch die Künstler John Armleder (CH), Sylvie Fleury (CH), das Künstlerduo Markus Muntean / Adi Rosenblum (A) und Gerwald Rockenschaub.

Mit jeweils werktypischen Eingriffen werden die Themen Wohnen und Raumgestaltung aufgegriffen. John Armleder steuert Lichtinstallationen aus Neonröhren bei und gestaltet zwei Wände mit Spiegelfolie, die Wandgestaltungen mit künstlichem Fell und Flammenmotiven stammen von Sylvie Fleury. Das Künstlerduo Markus Muntean / Adi Rosenblum steuert Video- sowie skulpturale Arbeiten bei. Von der Dachgalerie aus erfährt der Besucher einen ganz neuen Blick auf die Architektur des Kunsthauses. Hier plazieren Muntean/Rosenblum ihr Flammenmotiv als skulpturale Gestaltung.

Mit diesem Projekt verwirklichten die fünf Künstler in einer experimentellen Situation ihre Vorstellung von Gruppenausstellung, wie auch "Lifestyle" eine ist. Nicht jeder Künstler steuert ein autonomes Werk bei, sondern gemeinsam entwickeln sie ein Werk, wie auf einer realen Baustelle, auf der gemeinsam gearbeitet wird, bis das Gebäude fertiggestellt ist.

Diese Arbeitsweise entspricht der Tendenz in der zeitgenössischen Kunst, viele Dinge zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen. In der Musik spricht man von "sampling", was bedeutet, aus Bruchstücken ein neues Musikstück zu schaffen.

Die Vorstellung des Künstlers als Einzelgänger, der aus seinem Genie heraus originäre Werke schafft, scheint heute überholt zu sein. Wie schon in allen Epochen baut die Kunst auf ihre Vorläufer auf, heute im Gegensatz zu früher zitiert sie ganz bewußt und offen. Die entstandenen Werke wissen sich durch ihre Qualität vom Vorwurf des Eklektizismus abzugrenzen.

 
               
  3. Obergeschoß

         
   
             
    Kunst im Stadtraum Bregenz          
   

Plakataktion

Entsprechend den Absichten vieler Künstler, die Museumsräume zu verlassen und im öffentlichen Raum zu arbeiten, werden Teile des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms wie Openair Kino, Parties mit Audioroom Wien, Modenschauen in den Stadtraum von Bregenz verlegt. Zu diesem Konzept gehört eine Plakataktion, für die das Kunsthaus Bregenz KünstlerInnen und Firmen zusammenführt, die an einer Werbung der etwas anderen Art interessiert sind. Das Kunsthaus Bregenz mietet für die Dauer der Ausstellung großformatige Werbeflächen ( 2,38 x 5,04 m), schlägt KünstlerInnen vor und koordiniert die Zusammenarbeit: Natacha Lesueur - Fa. Wolff, Erwin Wurm - Fa. Palmers, Peter Kogler - Fa. Wolford, Ingeborg Strobl - Fa. Skiny Bodywear (Wäsche), Gilbert Bretterbauer -Fa. Hämmerle & Vogel (Spitzen), Tone Fink, Marianne Greber - Fa. Josef Otten (Textilien).

 
             
  City Light
Ona B. (A) und FLATZ haben für eine künstlerische Aktion mit hinterleuchteten Plakaten (City Light) Plakate geschaffen, die an 60 Standorten in Bregenz und Umgebung zu sehen sind: Ona B. for Skiny Bodywear,
       
             
  FLATZ for Kunsthaus Bregenz.
Die Frau, der Mann Künstlerisch intervenieren Daniele Buetti, Plamen Dejanov / Swetlana Heger und Erwin Wurm im Modehaus Sagmeister (Römerstraße). Buetti inszeniert Fotoarbeiten in einer Schaufenstervitrine, Erwin Wurm zeigt seine Arbeit "Shopping: Ein Paar zieht hundertacht Kleidungsstücke über", in der er es ihm um den Begriff der Skulptur geht, den er hier an der Alltäglichkeit mißt. Dejanov/Heger zeigen eine Lichtgestaltung mit Leuchtkörpern aus den 60er Jahren ("Space Pearls"). Wandbilder
       
             
                     
             

 

  Die britische Künstlergruppe Tomato gestaltet sieben, jeweils 10m2 große Werbeflächen an der Stadtstraße. Ausgehend von Videostandbildern, Fotografien und Texten wird das Thema Lifestyle, die Konzeption und die Architektur des Kunsthaus Bregenz kritisch hinterfragt und in einem kreativen Prozeß abgebildet. Tomato hat in den 90er Jahren sehr erfolgreich eine unverwechselbare Sprache entwickelt, die von Offenheit und Grenzüberschreitungen zwischen Kunst und Werbung und den einzelnen Disziplinen geprägt ist. Sie sind Grenzgänger zwischen der Welt der globalen Konzerne und deren Lifestyleprodukten und der Welt der Kunst und schaffen und bewahren sich so die Unabhängigkeit, um neue und ungewohnte Sichtweisen und Projekte entwickeln zu können

SupaStore

In einem Geschäftslokal der Innenstadt (Office by Sautter, Römerstraße) hat Sarah Staton (GB) ihren "SupaStore" eingerichtet und bietet hier kostengünstige Produkte - Multiples und Editionen - bereits arrivierter wie junger, noch unbekannter KünstlerInnen an, u.a. Damian Hirst, Abigail Lane, Nancy Spero, Georgina Starr, aber auch in einem Lifestyle-Mix Magazine, Bücher, Design-Produkte und andere Artikel. Seit 1993 ist "SupaStore" jeweils temporär an zehn verschiedenen Orten präsent gewesen u.a. in New York, San Francisco und London.

"Lifestyle" wird unterstützt von
ankünder, Bregenz - Bekaert Composites S.A., Fiberglas, Mungia-Vizcaya - GTS Electronics audiovisuelle Systeme, Klaus (Logo)- Hämmerle & Vogel, Lustenau Kaufmann Holzbauwerk, Wolfurt - Amt der Landeshauptstadt Bregenz - macom gmbh, Copycenter, Diepoldsau SG - Modehaus Sagmeister, Bregenz - Office by Sautter, Bregenz - Josef Otten, Hohenems - Palmers - Progress Werbung-Gewista, Bregenz - Skiny Bodywear, Götzis - Typico, Schrift-Bild-Service, Lochau - upa-unusual public address, Bregenz - teleport Vorarlberg Online, Schwarzach - Wolff, Hard - Zwing Raumausstatter, Lochau

Kurator der Ausstellung: Edelbert Köb Assistenz: Rudolf Sagmeister, Herbert Abrell

Text: Herbert Abrell

Sarah Staton, SUPASTORE, Multiple

 
           
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