|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
| L I F
E S T Y L E |
|
11
I 07 I 98 - 20
I 09 I 98 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
   |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
| |
|
Kunstwelt ohne Grenzen?
Interview Edelbert Köb - Jèrôme Sans
Iké Udé, Arbeit aus der "Cover-Girl"-Serie,
1994-1997, Fotografie
Cindy Sherman, Untitled (Post Card Series for Comme des Garcons),
1994 , Fotoarbeit Regina Möller, regina-Zeitschrift LIFESTYLE
Kunst in den Grenzbereichen von Mode, Design, Styling, Interieur
|
|
| |
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
   |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
John Armleder (CH/USA) - Thomas Bayrle (D) - Gilbert Bretterbauer
(A/USA) - Angela Bulloch (CAN/GB) - Daniele Buetti (CH) - CALC - Koeppel/Martinez
(A/ES/CH) Plamen Dejanov (A) - Die Damen (A) - Tone Fink (A) - FLATZ
(D/A) - Sylvie Fleury (CH) - Jochen Flinzer (D) - Rainer Ganahl (A/USA)
- Swetlana Heger (A) - Birgit Jürgenssen (A)- Stefan Kern (D)
- Peter Kogler (A) - Hans Kupelwieser (A) - Natacha Lesueur (F) -
Regina Möller (D) - Yasumasa Morimura (Japan) - Markus Muntean
(A) - Flora Neuwirth (A) - Ona B.(A) - Michelangelo Pistoletto (I)
- Pipilotti Rist (CH) - Gerwald Rockenschaub (A) - Adi Rosenblum (A)
- Elfie Semotan (A) - Cindy Sherman (USA) - Sarah Staton (GB) - Haim
Steinbach (USA) - Ingeborg Strobl (A) - Tomato (GB) - Jochen Traar
(D/A) - Iké Udé (USA) - Franz West (A) - Erwin Wurm
(A) - Can Yasargil (CH) - Heimo Zobernig (A)
In den 80er Jahren hat der Begriff "Lifestyle" in verschiedenen
Zusammenhängen Bedeutung gewonnen. Von den Sozialwissenschaften
geprägt und von den Marketingstrategien der Werbewirtschaft
geortet, wurde "Lifestyle" für die Yuppiegeneration
zum Erkennungszeichen unter Gleichgesinnten. Die Dinks (= double
income, no kids) trafen sich nach einem Sechzehnstundentag auf einen
Drink und erkannten sich an der Kleidung mit dem richtigen Markenschild.
In den 90er Jahren zerrissen Meldungen von zunehmender Arbeitslosigkeit,
ökonomischer Depression und ökologischen Katastrophen
das Band zwischen Arbeit, Geld und Schönheit. Mit Grunge hielt
depressive Musik Einzug in die Popkultur, Beck sang 1994 "I'm
a looser, baby, why don't you kill me?" auf allen Radiostationen.
Nicht mehr Darstellung neuen Reichtums und seiner Attribute, sondern
das Unterlaufen der ökonomischen Werte durch eine Ästhetik
des Häßlichen, Kitschigen, Wertlosen, aber auch des Einfachen,
Selbstverständlichen, wurden im zeitgenössischen Retro-Kult
zu einem Lebensstil, der zu dem des "Lifestyle" in scharfem
Kontrast steht.
Heute, im Zeitalter seines Verschwindens, markiert dieser Begriff
eine grundlegende Neuorientierung der Gesellschaft: Die Freundschaft
zwischen Ökonomie und Ästhetik wurde aufgekündigt.
Die Krise des "Lifestyle" ist nicht nur eine Frage des
Stils, sondern des zentralen, emotionalen und kommunikativen Zusammenhalts
einer Gesellschaft, die als Konsumgesellschaft definiert ist. Individuelle
Lebensentwürfe und soziale Verständigung sind immer schwerer
artikulierbar, so sehr haben sich die Komplexität der Bedeutung
und die Geschwindigkeit der Codierung und der Re-Codierung von Waren
gesteigert.
In dieser Situation liegt es nahe, die Künstler - als Spezialisten
für das Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaft
- zu befragen, wie sie mit diesen auf der Ebene ihrer Werke umgehen.
Die Anworten sind vielfältig. Denn die Kunst der Moderne hat
seit Anbeginn mit der Grenze zwischen Kunst und Alltagskultur experimentiert.
Sei es, daß das Leben ins "Gesamtkunstwerk" aufgehoben
werden sollte, sei es, daß umgekehrt die Kunst ihre Grenze
zum Leben immer wieder dahingeben wollte. Übergänge und
Entgegensetzungen, Parallelitäten und Zurückweisungen,
Vereinnahmungen, Umdeutungen und Ironisierungen finden sich auf
der Palette der Verhältnisse, in denen die Ästhetik der
Kunst zu der des Alltags stehen kann. Zwischen Kunst und "Lifestyle"
gibt es eine unentrinnbare Haßliebe, eine paradoxe Verbindung
und eine Bindung an die Paradoxie: Kunst muß, um Kunst zu
sein, sich von anderen Ästhetiken abgrenzen, zugleich aber
ihre Abgrenzungen stets überschreiten. Die Unvereinbarkeit
dieser beiden Regeln führt zu Flirt, Krieg und deren unendlicher
Vermischung. In der Ausstellung "Lifestyle" stellen sich
Künstler den Paradoxien ihres Verhältnisses zum Alltagsleben,
geben Einblick in ihre Liebes- und Haßbeziehungen zur Schönheit
des Alltäglichen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
 |
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
.
|
|
Im Erdgeschoß stimmt eine Lounge auf die Ausstellung
ein. Zeitschriften und Magazine zu den Themen Mode, Architektur,
Design liegen auf. Verschiedenste Plakate und Flyer bilden einen
dokumentarischen Querschnitt . Die Lounge ist mit benutzbaren Möbelskulpturen
von Künstlern ausgestattet: Lederbänke von Michelangelo
Pistoletto (I), Ledersofas von Stefan Kern (D), ein weißer
Sessel, ein Tisch und zwei Stühle von Can Yasargil (CH), das
blaue Sitzkissen von Hans Kupelwieser (A) und die gelbe Leseboje
von Rainer Ganahl (A/USA).
Die Künstlerinnengruppe "Die Damen" (A) steuert
Fotoarbeiten für einen Kalender der Austria Tabak Werke bei,
zwei Mitglieder der "Damen" (Birgit Jürgenssen, Ingeborg
Strobl) sind auch mit Arbeiten im ersten Stockwerk zu sehen, Ona
B. hat für den Außenraum ein Plakat für die Firma
Skiny Bodywear geschaffen.
Von Iké Udé (USA) ist die Arbeit "Covergirl"
zu sehen, bestehend aus nachgestellten Zeitschriftencovern. Udé
geht der Frage nach dem ausgrenzenden Potential der Medien, insbesondere
der Lifestyle-Magazine, nach. In einer eigenen Zeitschrift "aRUDE"
verwirklicht er seine Vorstellungen einer Kulturpublikation. Von
Regina Möller (D) liegen Exemplare der Zeitschrift "regina"
auf. In ihrer formalen Gestaltung ist "regina" einer herkömmlichen
Frauenzeitschrift zum Verwechseln ähnlich. Die Inhalte allerdings
setzen sich kritisch mit jeweils anderen Themenschwerpunkten auseinander.
Die Künstlergruppe CALC (A/CH) installiert ihr Projekt TIMEcloud
nach dessen Premiere in Biella bei Turin beim "Progetto Arte"
mit Michelangelo Pistoletto im Foyer des Kunsthauses. Diese Fiberglas-Polyvinylchlorid-Larve
dient als "Internet-Architektur". Die Besucher können
TIMEcloud II nur virtuell, über das Internet, an einem Monitor
im Foyer betreten. Über die im Inneren installierten Computer
hat der virtuelle Besucher die Möglichkeit, Bilder, Texte und
Statements ins Kunsthaus zu senden. Die Larve TIMEcloud II entpuppt
sich so als eine interaktiven Skulptur des Cyber-Age.
Zu sehen sind im Foyer verschiedene Videoarbeiten: von Haim Steinbach
(USA) eine Modenschau für den Modekonzern Strenesse Group,
von Peter Gersina (D) ein Video sowie ein Künstlerplakat. 1997
rief Gersina den Dienstleistungsservice "westArt: FIRST AID
for BAD ART" ins Leben und betreut seither mit einem Team von
Psychologen, Ärzten und Kunsthistorikern potentielle "art
victims" auf großen Kulturveranstaltungen in ganz Europa.
Sylvie Fleury (CH), die auch an der begehbaren Skulptur im dritten
Obergeschoß beteiligt ist, zeit die Videoarbeit "Beauty
Case".
Untergeschoß Die Farbgebung der von CALC mit dem Architektenduo
Koeppel/Martinez (CH) entworfenen Sitzquader hat Pipilotti Rist
(CH) mitbestimmt. Die Farben korrespondieren mit ihren Videoarbeiten.
Pipilotti Rist schafft Videokunst, zu der sie zum Teil auch die
Musik selber schreibt. Ihr experimenteller Stil vermischt die Videoclip-Ästhetik
mit visuellen Verfremdungen und Bildstörungen. In Ergänzung
dazu sind abwechselnd im Programm Videoarbeiten von Sylvie Fleury
zu sehen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1. Obergeschoß
Hier finden sich Arbeiten von KünstlerInnen, die die Grenzbereiche
von Kunst und Werbung, von Kunst und Mode ausloten. Die Künstler
greifen Anregungen und Bilder aus den Medien auf, verfremden und
ironisieren sie. Zugleich bedient sich die Werbung der Anregungen
aus der Kunst, um immer wieder innovativ und neu zu erscheinen.
Zu beobachten ist eine zunehmende Vermischung von Kultur und Ökonomie,
die Beziehung zwischen bildender Kunst und Werbung steht stellvertretend
für eine fortschreitende Annäherung und Durchdringung.
Die künstlerische Produktion dient der Sinnstiftung der Ökonomie,
gleichzeitig wird Kultur immer mehr nach ökonomischen Gesichtspunkten
bewertet.
Cindy Shermans (USA) großformatige Fotoarbeiten dienten
einem großen Modekonzern in Paris, Comme de Garçon,
als Vorlage für eine Werbeaktion (siehe Erdgeschoß).
Mittels Kostümierung, Maske und arrangierter Hintergründe
erzeugt die Künstlerin immer wieder neue geheimnisvolle Szenerien
um sich. Auch wenn sie keine direkte Vorlage kopiert, entsteht ein
hoher Wiedererkennungswert dadurch, daß Sherman Rollen ausfüllt,
die der Betrachter kennt. Dabei geht es ihr nie um die Darstellung
ihrer eigenen Person, sondern um die Bloßstellung der Klischees
von Weiblichkeit in unserer Gesellschaft.
Yasumasa Morimura (Japan) nimmt in seinen Fotoarbeiten wie Cindy
Sherman sich selbst als Modell. Er benützt bekannte "Ikonen"
aus der Kunstgeschichte oder aus der Welt der Filmstars. Indem er
- als Japaner - diese Bilder möglichst detailgetreu nachinszeniert,
deckt er zugleich den weltumspannenden Einfluß der europäisch-amerikanischen
Kulturindustrie auf. Eine zusätzliche Irritation erfahren seine
Werke durch das Schlüpfen in weibliche Rollen. Zu sehen sind
Arbeiten Morimuras aus der Serie "Actresses/Self Potraits".
Ingeborg Strobl (A) zeigt ein Ensemble, in dem sie sich mit einem
durchsichtigen Leibchen mit Keramikbrustwarzen und einer Postkartenediton
auf die Vermarktungsstrategien des weiblichen Körpers durch
die Wäscheindustrie bezieht und den erotischen Aspekt von Bekleidung
vor Augen führt.
Birgit Jürgenssen (A) arbeitet mit Bezügen zum eigenen
Körper, sie benutzt ihn als Projektionsfläche für
kulturelle Codes und ihre Kritik daran. Die gesellschaftlichen Konstruktionen
von Weiblichkeit werden von ihr in Frage gestellt. Auf ihren Fotoarbeiten
"Gummis" erscheint ihr Körper in einem Zerrspiegel,
der weibliche Schuh als Fetisch. Fotografisch verfremdete Projektionen
eines Innenraumes werden auf Kissen eines Bettes, sowie auf Leibchen
aufgedruckt und präsentiert. Das Ensemble gestaltet sie als
"Zimmer der Dame".
Marie Legros (F) zeigt das Video einer Performance im Office by
Sautter, eines Geschäftes für Designer-Büromöbel
in der Bregenzer Innenstadt. Die Performance fand im Rahmen der
"Kunst in der Stadt" statt. Die Kamera fokussiert dabei
auf die Füße der Künstlerin, die "über
die Dinge gehen".Von Halm Steinbach (USA) wurde speziell für
die Ausstellung eines seiner typischen Wandbords mit kleinen Parfumminiaturen
(Jean-Paul Gaultier) hergestellt. Diese Miniflacons, eigentlich
als Verkaufshilfe gedacht, sind mittlerweile zu wertvollen Sammlerobjekten
geworden. Durch die Präsentation im Museum entrückt der
Künstler Alltagsgegenstände der herkömmlichen Betrachtung
und gewinnt ihnen neue skulpturale Bedeutung ab.
Daniele Buetti (CH) arbeitet mit Fotografien aus Modemagazinen,
die Ästhetik der Werbefotografie ist sein Ausgangsmaterial.
Mit einfachen Techniken verfremdet er die Bilder, fotografiert sie
wiederum und arrangiert sie neu. Im Wortsinn kratzt er an der Oberfläche
der Hochglanzmagazine, die Welt der Supermodels erfährt dadurch
eine empfindliche Störung.
FLATZ (D/A) setzt sich selbst auf Plakaten in Szene. "Mut
tut gut" ist eine Arbeit für die Zigarettenmarke NIL,
eine hinterleuchtete Selbstdarstellung erfolgt in "The Golden
Mastercard". Seine Skulptur "Mondrian", ein bemaltes
Motorrad, steht für eine weitere wichtige Werkgruppe des Künstlers,
die "Physical Sculptures".
Erwin Wurm (A) hat für eine Wäschefirma eine Serie von
Fotoarbeiten geschaffen. Konsequent verfolgt Wurm seinen bildhauerischen
Ansatz weiter, Gefäße spielen in seinem Werk eine besondere
Rolle. Hier dienen die Kleidungsstücke als Hohlkörper,
als Hülle, die der Mensch mit seinem Körper ausfüllt.
Flora Neuwirth (A) ist mit einem pastellfarbenen Ensemble vertreten,
das die Grundmodule von Design und Farbgebung thematisiert. Ihren
Arbeiten gibt Neuwirth den leitmotivischen Titel "fnsystems".
Jochen Traar (A/D) hat für die Ausstellung eine überdimensionale
Kleenex-Box gebaut. Darin befindet sich ein Monitor mit Internet-Anschluß.
Großformatige Lampen verbreiten ein intimes rotes Licht, wenn
der Besucher sich per Internet seine "Traumfrau" bis ins
Detail zusammenstellt.
Angela Bulloch (GB) bietet ihre drei großen "Happy
Sacks" an. Sie thematisiert die Ausstellungssituation im Museum
selber, durch die Kopfhörer abgeschirmt kann sich der Besucher
eher in einem angesagten Lifeclub denn in einem Museum fühlen.
Eigens arrangierte Bulloch trendigen Techno- und Progressive House-Musik.
Die Fotoarbeiten von Natacha Lesueur (F) verarbeiten Lebensmittel
als Motive: die Beine des Models sind nicht in Spitze gekleidet,
wie es den Anschein hat, sondern in Schweinenetz. Die Porträts
zeigen irritierende Gemüse-Arrangements.
Jochen Flinzer (D) hält seine "Grüße aus
Moriya" als Stickerei auf Seidenstoff fest, wie bei einer Tätowierung
auf der Haut hinterläßt die Nadel das Muster auf dem
Stoff. Die abstrakten Muster der einen Seite haben auf der anderen
Seite ein konkretes Äquivalent. Vorder- und Rückseite
gibt es bei dieser Arbeit nicht.
Thomas Bayrle (D) zeigt drei PVC-Mäntel aus den 60er Jahren
mit graphischen Tassen-und Schuhmotiven und kontrastiert diese für
die Ausstellung mit einer Tapete. Die Technik ist geblieben, die
Motive jedoch haben sich sehr stark verändert.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
 |
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
2. Obergeschoß
Dieses Geschoß wurde von den österreichischen Künstlern
Peter Kogler / Elfie Semotan, Franz West, Heimo Zobernig, Marcus
Geiger / Stefan Bidner gestaltet. Die Grenzen zwischen benutzbaren
Objekten und reinen Kunstgegenständen sind aufgehoben. Die
Möbel/Objekte befinden sich im experimentellen Spannungsfeld
zwischen Ausstellungssituationen und Gebrauchsobjekten. So haben
Franz West und Heimo Zobernig ein Café-Restaurant in Wien
eingerichtet. West hat zudem mit den hier plazierten Stühlen
den 1997 Vortragsraum der Documenta X in Kassel ausgestattet. In
einer offenen Situation gruppieren sich um eine funktionsfähige
Bar (Geiger/Bidner) mehrere Tisch/Sesselgruppen (West/Zobernig),
ein Musikpodium (Franz West) als Aufforderung zu gesellschaftlichen
und künstlerischen Aktivitäten (Musik, Lesungen). Zu sehen
ist das Video und Objekte einer Musik-Performance von Iris Gerber
(CH).
Gegenüber plazieren sich Stahlobjekte von Heimo Zobernig
wiederum in einem experimentellen Spannungsfeld zwischen Skulptur
und Gebrauchsgegenstand. Peter Kogler schafft Ganzkörperbodys
mit seinen signifikanten Motiven Röhre, Ameise, Hirn, die in
einer Modenschau präsentiert wurden. Die Bodys wurden von Elfie
Semotan fotografiert, die Fotografien digital auf drei großflächige
Gewebe gedruckt, die den Raum gliedern. Die fliegenden Frauenkörper,
ähnlich Batwoman, verfremden den Raum und erzeugen eine extravagante
und zugleich puristische Lifestyle-Stimmung der späten 90er
Jahre.
Hier wurde eine von Gerwald Rockenschaub (A) konzipierte begehbare
Skulptur errichtet, deren Grundmaße 12 x 10 x 4 Meter betragen.
Die Ausgestaltung erfolgte durch die Künstler John Armleder
(CH), Sylvie Fleury (CH), das Künstlerduo Markus Muntean /
Adi Rosenblum (A) und Gerwald Rockenschaub.
Mit jeweils werktypischen Eingriffen werden die Themen Wohnen
und Raumgestaltung aufgegriffen. John Armleder steuert Lichtinstallationen
aus Neonröhren bei und gestaltet zwei Wände mit Spiegelfolie,
die Wandgestaltungen mit künstlichem Fell und Flammenmotiven
stammen von Sylvie Fleury. Das Künstlerduo Markus Muntean /
Adi Rosenblum steuert Video- sowie skulpturale Arbeiten bei. Von
der Dachgalerie aus erfährt der Besucher einen ganz neuen Blick
auf die Architektur des Kunsthauses. Hier plazieren Muntean/Rosenblum
ihr Flammenmotiv als skulpturale Gestaltung.
Mit diesem Projekt verwirklichten die fünf Künstler
in einer experimentellen Situation ihre Vorstellung von Gruppenausstellung,
wie auch "Lifestyle" eine ist. Nicht jeder Künstler
steuert ein autonomes Werk bei, sondern gemeinsam entwickeln sie
ein Werk, wie auf einer realen Baustelle, auf der gemeinsam gearbeitet
wird, bis das Gebäude fertiggestellt ist.
Diese Arbeitsweise entspricht der Tendenz in der zeitgenössischen
Kunst, viele Dinge zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen. In
der Musik spricht man von "sampling", was bedeutet, aus
Bruchstücken ein neues Musikstück zu schaffen.
Die Vorstellung des Künstlers als Einzelgänger, der
aus seinem Genie heraus originäre Werke schafft, scheint heute
überholt zu sein. Wie schon in allen Epochen baut die Kunst
auf ihre Vorläufer auf, heute im Gegensatz zu früher zitiert
sie ganz bewußt und offen. Die entstandenen Werke wissen sich
durch ihre Qualität vom Vorwurf des Eklektizismus abzugrenzen.
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
3. Obergeschoß
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
Kunst
im Stadtraum Bregenz |
|
|
|
|
|
| |
|
Plakataktion
Entsprechend den Absichten vieler Künstler, die Museumsräume
zu verlassen und im öffentlichen Raum zu arbeiten, werden Teile
des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms wie Openair Kino,
Parties mit Audioroom Wien, Modenschauen in den Stadtraum von Bregenz
verlegt. Zu diesem Konzept gehört eine Plakataktion, für
die das Kunsthaus Bregenz KünstlerInnen und Firmen zusammenführt,
die an einer Werbung der etwas anderen Art interessiert sind. Das
Kunsthaus Bregenz mietet für die Dauer der Ausstellung großformatige
Werbeflächen ( 2,38 x 5,04 m), schlägt KünstlerInnen
vor und koordiniert die Zusammenarbeit: Natacha Lesueur - Fa. Wolff,
Erwin Wurm - Fa. Palmers, Peter Kogler - Fa. Wolford, Ingeborg Strobl
- Fa. Skiny Bodywear (Wäsche), Gilbert Bretterbauer -Fa. Hämmerle
& Vogel (Spitzen), Tone Fink, Marianne Greber - Fa. Josef Otten
(Textilien).
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
City Light
Ona B. (A) und FLATZ haben für eine künstlerische Aktion
mit hinterleuchteten Plakaten (City Light) Plakate geschaffen, die
an 60 Standorten in Bregenz und Umgebung zu sehen sind: Ona B. for
Skiny Bodywear, |
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
FLATZ for
Kunsthaus Bregenz.
Die Frau, der Mann Künstlerisch intervenieren Daniele Buetti,
Plamen Dejanov / Swetlana Heger und Erwin Wurm im Modehaus Sagmeister
(Römerstraße). Buetti inszeniert Fotoarbeiten in einer
Schaufenstervitrine, Erwin Wurm zeigt seine Arbeit "Shopping:
Ein Paar zieht hundertacht Kleidungsstücke über", in
der er es ihm um den Begriff der Skulptur geht, den er hier an der
Alltäglichkeit mißt. Dejanov/Heger zeigen eine Lichtgestaltung
mit Leuchtkörpern aus den 60er Jahren ("Space Pearls").
Wandbilder |
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Die britische Künstlergruppe Tomato gestaltet sieben, jeweils
10m2 große Werbeflächen an der Stadtstraße. Ausgehend
von Videostandbildern, Fotografien und Texten wird das Thema Lifestyle,
die Konzeption und die Architektur des Kunsthaus Bregenz kritisch
hinterfragt und in einem kreativen Prozeß abgebildet. Tomato
hat in den 90er Jahren sehr erfolgreich eine unverwechselbare Sprache
entwickelt, die von Offenheit und Grenzüberschreitungen zwischen
Kunst und Werbung und den einzelnen Disziplinen geprägt ist.
Sie sind Grenzgänger zwischen der Welt der globalen Konzerne
und deren Lifestyleprodukten und der Welt der Kunst und schaffen und
bewahren sich so die Unabhängigkeit, um neue und ungewohnte Sichtweisen
und Projekte entwickeln zu können
SupaStore
In einem Geschäftslokal der Innenstadt (Office by Sautter,
Römerstraße) hat Sarah Staton (GB) ihren "SupaStore"
eingerichtet und bietet hier kostengünstige Produkte - Multiples
und Editionen - bereits arrivierter wie junger, noch unbekannter
KünstlerInnen an, u.a. Damian Hirst, Abigail Lane, Nancy Spero,
Georgina Starr, aber auch in einem Lifestyle-Mix Magazine, Bücher,
Design-Produkte und andere Artikel. Seit 1993 ist "SupaStore"
jeweils temporär an zehn verschiedenen Orten präsent gewesen
u.a. in New York, San Francisco und London.
"Lifestyle" wird unterstützt von
ankünder, Bregenz - Bekaert Composites S.A., Fiberglas, Mungia-Vizcaya
- GTS Electronics audiovisuelle Systeme, Klaus (Logo)- Hämmerle
& Vogel, Lustenau Kaufmann Holzbauwerk, Wolfurt - Amt der Landeshauptstadt
Bregenz - macom gmbh, Copycenter, Diepoldsau SG - Modehaus Sagmeister,
Bregenz - Office by Sautter, Bregenz - Josef Otten, Hohenems - Palmers
- Progress Werbung-Gewista, Bregenz - Skiny Bodywear, Götzis
- Typico, Schrift-Bild-Service, Lochau - upa-unusual public address,
Bregenz - teleport Vorarlberg Online, Schwarzach - Wolff, Hard -
Zwing Raumausstatter, Lochau
Kurator der Ausstellung: Edelbert Köb Assistenz: Rudolf Sagmeister,
Herbert Abrell
Text: Herbert Abrell
Sarah Staton, SUPASTORE, Multiple
|
|
| |
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| <
zurück |
|
|
 |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|