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Markus Schinwald
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Vanishing Lessons 14 | 02 – 13 | 04 | 2009 |
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Einladungsheft
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1 Markus Schinwald
Vanishing Lessons I, 2009
Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz
2 Markus Schinwald
Vanishing Lessons II, 2009
Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz
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Thematisch geht es Markus Schinwald (*1973 in Salzburg) in seinen
Arbeiten um die psychologische Auseinandersetzung mit Raum
und Körper, um das Unbehagen und die irrationalen Tiefen des
individuellen und kollektiven Seins. Spielerisch verschmelzen in
seinem Werk die verschiedensten Medien – von beklemmenden
Filmen zu marionettenhaften Skulpturen, von überarbeiteten
historischen Gemälden zu prothetischen Design- und Kleiderentwürfen
–, die subtil miteinander choreografiert werden. Mit
seinen Filmen und gebauten Räumen erzeugt Markus Schinwald
durch Fragmentierung und traumartige Brüche überraschende
Lücken im narrativen Grundgerüst seiner Werke, die zu stark
ästhetisierten Bildern und verrückten Verschiebungen der Realitätsebenen
führen. In seiner bisher größten Einzelausstellung
in Österreich wird Markus Schinwald mit einer neuen Werkfolge
ein surreales Panoptikum unerfüllbarer Wünsche aus Körpern,
Objekten, Filmen und gebauten Räumen inszenieren.
Schinwald wird in den oberen drei Stockwerken des Kunsthauses
jeweils eine Studiosituation wie für die Fernsehproduktion
einer Sitcom einrichten. Diese Studiosituationen werden jeweils
aus einer Publikumstribüne mit Sitzen für ca. 80 Personen bestehen;
drei Flatscreens, drei Studio-Fernsehkameras und ein Bühnenhintergrund
vervollständigen die Szene. In den Tagen vor der Ausstellungseröffnung
und innerhalb der ersten Wochen der Schau
werden nach Schinwalds Regieanweisungen und seinem Drehbuch
ca. 20 Minuten lange sitcomartige Szenen mittels dreier Kameras
aufgezeichnet, die dann während der Ausstellung über die
Flatscreen-Monitore für die Ausstellungsbesucher abgespielt
werden. Jedes Stockwerk wird unterschiedlich ausgestattet und
von einer jeweils anderen etwa fünfköpfigen Protagonistengruppe
bespielt. Bühnenausstattung, Möblierung, Objekte und Kostüme
werden vom Künstler gestaltet. | |
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1 Markus Schinwald
Vanishing Lessons III, 2009
Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz
2 Markus Schinwald
Vanishing Lessons I, 2009
Aufnahme von den Proben,
1. OG, Kunsthaus Bregenz
3 Markus Schinwald
Vanishing Lessons III, 2009
Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz
4 Markus Schinwald
Vanishing Lessons III, 2009
Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz
© Markus Schinwald,
Kunsthaus Bregenz |
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Die Sitcom (kurz für »situational comedy«) ist ein ursprünglich US-amerikanisches Genre und wird meist als Fernsehserie
ausgestrahlt. Typisches äußeres Kennzeichen der klassischen
Sitcom ist die Aufzeichnung im Studio: Die Darsteller agieren
auf einer Guckkastenbühne. Für die Handlung folgt daraus eine
Beschränkung der Schauplätze auf wenige, stets wiederkehrende
Orte. Verstärkt wird die Bühnenwirkung durch das Spiel der
Darsteller zur Bühnenrampe und das für das Fernsehpublikum
hörbare Gelächter des Studiopublikums. Üblicherweise wird mit
drei Kameras gedreht, die in einem Graben zwischen Publikum
und Bühne positioniert sind: Eine Kamera nimmt das Geschehen
in einer Totalen auf, die anderen beiden konzentrieren sich auf
die agierenden Figuren. Aus den drei Filmstreifen, auf denen
dasselbe Geschehen aus drei unterschiedlichen Perspektiven
aufgenommen worden ist, wird später die Folge zusammengeschnitten.
Aufgrund ihrer Ausrichtung auf triviale Situationen
des Alltags wurde die Sitcom oft als »show about nothing«
bezeichnet. Wegen der häufigen Thematisierung gesellschaftlicher
Konventionen und Sitten, neurotischen und obsessiven
Verhaltens und der rätselhaften Mechanismen menschlicher
Beziehungen könnte man die Sitcom als ein Gesellschaftsstück
in Serienform kategorisieren. |
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Im ersten Stockwerk des KUB kommen auf der guckkastenartigen
Bühne, welche großflächig verspiegelt, mit einer begehbaren
Trennwand und einem doppelten Schrank für Überraschungsauftritte
versehen ist, die Schauspieler sprachlich und gestisch
zum Einsatz.
Im zweiten Stockwerk wird die Bühnenarchitektur durchlässiger.
Begeh- und benutzbare niedere Raumtrennwände, eine
in zwei Teile zerschnittene Begräbniskutsche aus dem 19. Jahrhundert
sowie fünf Tänzer spielen die Hauptrolle. Hier wird nicht
mehr gesprochen, der Soundtrack besteht aus Musik.
Im dritten Stockwerk des Kunsthauses verschwindet die
Bühnenhintergrundarchitektur fast vollständig und wird durch
drehbare Raumelemente ersetzt. Von Markus Schinwald umgebaute
Turngeräte – Stufenbarren, Reck, Pferd, Ringe etc. –
dienen fünf Turnern als Objekte für Spiel und Bewegung. Sprache
und Musik werden durch die bei den Aktionen entstehenden
Geräusche ersetzt. |
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Markus Schinwald,
geboren 1973 in Salzburg, lebt und arbeitet in
Wien und Los Angeles. 1993 – 2000 Hochschule
für Gestaltung, Linz; Humboldt-Universität zu
Berlin. Ausstellungen (Auswahl): Migros Museum,
Zürich; ICA Boston (2008); Tate Modern, London;
Witte de With, Rotterdam; Kunsthalle Wien (2007);
Fotomuseum Winterthur; Berlin Biennale
(2006), Frankfurter Kunstverein (2004); Haus
der Kunst, München (2003); Moderne Museet,
Stockholm (2001).
In unterschiedlichen Medien setzt sich Schinwald
in subtiler Verrückung mit Raum und dem
menschlichen Körper auseinander und analysiert
physische und psychische Unzulänglichkeiten
des Menschen. |
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