| 1937
in Berlin geboren, machte Thomas Bayrle eine Ausbildung zum Weber,
bevor er 1958-1961 die Werkkunstschule Offenbach besuchte.
In der gesellschaftlichen Umbruchsphase der späten 60er Jahre
und im Umfeld der Pop-Art entwickelt er eine spezielle druckgraphische
Methode, mit der er einzelne Bildelemente und Motive wie Tassen,
Schuhe oder Knöpfe in ihrer beliebigen Reproduzierbarkeit zu
einem einzigen Bild zusammensetzt: eine Maggiflasche, anonyme Portraits,
Autos. Jedes Element behält aber seine eigene Individualität.
Die Reproduktion von identischen Elementen führt zu einem neuen
"Superimage", das in seiner ornamentalen Wirkung im Spiel
von Farben, zellen-und gewebeartigen Formen anderes wahrgenommen
wird als das Einzelelement. Noch vor dem Einsatz der Computergraphik
in der bildenden Kunst erzielt Bayrle für den Betrachter den
Eindruck von Exaktheit und Modulhaftigkeit.
1975 wird Bayrle Lehrer an der Städelschule in Frankfurt a.M.,
1977 nimmt er an der documenta VI in Kassel teil. Ende der 70er
Jahre beginnt er, animierte Graphiken in Filmen und Videos zu realisieren.
Die Videoarbeit "Auto" (1979) zeigt ein Geflecht aus Pappe-Autobahnen,
in dem die Autos wie durch einen Zellkörper fahren. Im Video
"Superstar" (1993) werden Gesichter von Personen während
des Betrachtens der Filmsequenzen in tausenden Einzelelementen aufgenommen,
womit sich der Kreis wieder schließt. Der formal räumlich-architektonischen
und zellbiologischen Charakteristik des Werks liegt eine gesellschaftspolitische
Dimension zugrunde.
In seinen neueren Arbeiten, u.a. in den Einzelausstellungen im
Portikus, Frankfurt a.M., 1990 und 1995, und in der Kunsthalle St.Gallen
1996, verfeinert Bayrle seine Arbeitsweise durch graphische Raster,
die einer Darstellung von Hautmembranen und feinporigen Gebilden
gleichkommen, jenseits der Pop-Art-Manier, verbunden mit einer abstrakten
Dimension, die einen eigenen Bewegungsrhythmus aufweist. 1995 erhält
Bayrle den Preis der Ars Electronica in Linz . In seiner Analogie
thematisiert das Oeuvre Bayrles die Organisation des Lebens in kleinsten
Einheiten.
Thomas Bayrle lebt derzeit in Frankfurt am Main.
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