Herold, Georg
 

Hauptmaterial im Oeuvre des in Köln lebenden Künstlers Georg Herold sind "Abfallmaterialien", die mittels raffinierten Einsatz durch ihre Banalität bestechen und den Versuch darstellen, den sozialen Wert von Kunst zu sprengen. Bereits in seiner ersten wichtigen Arbeit, "Präsentation der ersten Latte" (1977), verwendet Herold Rohstoffe aus der Industriewelt, die den Ab- und Verwertungsgedanken aufzeigen und den Charakter unserer "Abfallgesellschaft" in das Bewußtsein jedes Einzelnen verankert wissen möchte.

1942 in Jena geboren und in der späteren DDR aufgewachsen, absolviert er zunächst eine Lehre als Goldschmied und technischer Zeichner. 1969-1973 studiert Herold Mathematik und besucht die Hochschule für Kunst und Design, Burg Giebichenstein in Halle/DDR. 1973 verläßt er die DDR und studiert an der Akademie der bildenden Künste in München sowie 1977-1983 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

Seit dieser Zeit verarbeitet Herold Fundobjekte, wie Ziegelsteine, Schrauben, Schnüre, Kleiderhaken, Holzlatten, Unterwäsche, Matratzen etc., die in seinen Objektarbeiten, Bildern, Skulpturen und Multiples seine Haltung gegenüber der Gesellschaft widerspiegeln. In seinem Beitrag "Wir richten uns ein I und II" für die "Skulptur Projekte Münster" 1989 wird der Besucher mit Vitrinen konfrontiert, die mit Kleinmöbeln, Fotos und anderen Materialien bestückt sind und eine "Stadtmöblierung" im Sinne der dekorativen Funktion von Kunst im öffentlichen Raum evozieren. 1992 folgt die Arbeit "X. Baracke" auf der Documenta 9 in Kassel. Nicht weniger kritisch zeigt sich seine jüngste Arbeit "bent poetry" für die "Skulptur Projekte Münster" (1997) - eine Installation aus Dachlatten und Stahlseilen, die sich dem Betrachter als freischwebendes, imaginäres Labyrinth mit Zitaten aus unserer Kunst- und Kulturgeschichte preisgibt. Das Spielen mit verschiedenen Aspekten, wie man Dinge fühlen, empfinden oder einfach nur betrachten kann, beruht auf seinen persönlichen Erfahrungswerten aus der DDR-Jugendzeit und stellen Kernpunkte seines Schaffens dar.


  KünstlerInnen Sammlung KUB
 
      < zurück