| Arnulf
Rainer wurde am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien geboren. Gegenständlich-surrealistische
Zeichnungen prägen sein Werk von 1947 bis 1951. In diesem Zeitraum
beginnen sich seine Szenerien sukzessive zu verdichten, um 1951
von den abstrakten "Mikrostrukturen" abgelöst zu
werden, die letztlich in eine schwarze Flächenzeichnung münden.
Beschäftigte sich Rainer in den vierziger Jahren mit surrealistischen
Theorien, so tritt an deren Stelle in den frühen fünfziger
Jahren eine Auseinandersetzung mit den Schriften von Johannes vom
Kreuz, Dschuang Dsi, Buddha, Laotse, den Upanischaden und der negativen
Mystik. Die radikalste Einlösung seines "Drangs zum Nichts"
bildet die sogenannte "Nada-Malerei", eine Ausstellung
leerer Bilderrahmen im Künstlerhaus Klagenfurt (1951). Seit
diesem Jahr verfaßt Rainer Texte, die sein bildnerisches Werk
bis heute begleiten und kommentieren. Handschriftlich lag etwa schon
der Text "Eine Wahl: Das Schweigen gegen die Poesie, der Verlust
gegen den Besitz, (...) Das Nichts gegen Alles." seiner Mappe
"Perspektiven der Vernichtung" (1951) bei.
Aus dem Jahre 1952 stammen seine Texte "Malerei, um die Malerei
zu verlassen" und "Ausblick: Das Einzige gegen das Andere".
1952 bis 1954 widmet sich der Künstler in seinen "Zentralisationen",
"Vertikal-, Horizontal-, Kreuz- und Zentralgestaltungen"
der Definitionsmacht des Strichs und wendet sich in seinen gleichzeitigen
"Proportionsstudien" der Farbe als primären Gestaltungselement
zu. In den "Reduktionen" von 1953 deuten sich bereits
jene Fragen an, die in seinen "Übermalungen" (vor
allem 1953-1965) von zentraler Bedeutung sein werden: Wieweit kann
sich Malerei entfalten, um letztlich immer noch die Vorstellung
eines Bildes evozieren zu können? Wieweit kann Malerei an die
Grenze ihrer Bildhaftigkeit gebracht werden? Inwieweit arbeitet
die "Übermalung", die "Auslöschung",
die "Mortifikation" an der dialektischen Vergegenwärtigung
des unsichtbar gewordenen "Vor-Bilds"? Bereits in den
"Kruzifikationen" (ab 1956/57) tritt der Bildträger
als präfiguriertes Ausgangsmotiv, auf das der Malprozeß
reagiert, in Erscheinung. In der Folge (1960) beginnt Rainer auch
Werke seiner Künstlerkollegen zu übermalen (u. a. Sam
Francis, Mathieu, Vedova, Vasarely etc.), die ihm von diesen zur
Verfügung gestellt wurden. Daneben beginnt sich Rainer mit
Gestaltungsexperimenten unter dem Einfluß von Drogen (LSD,
Psilocybin, Alkohol etc.) sowie mit der Malerei und Grafik von Geisteskranken
auseinanderzusetzen.
Seit 1969 münden diese Beschäftigungen in eine Reflexion
körpersprachlicher Ausdrucksformen, die er etwa an Katatonikern
beobachtet und selbst vor der Kamera praktiziert ("Face Farces"),
um die Fotos anschließend wieder zu überarbeiten. Damit
beginnt in den siebziger Jahren eine Reihe von Fotoübermalungen
oder -überzeichnungen, die sich unterschiedlichster Motive
bedient ("Katatonika", "Felsen", "Höhlen",
"Frauenposen", "Lesbische Frauenliebe", "Totenmasken",
pornographische Fotos etc.). Heute haben diese Überarbeitungen
enzyklopädische Ausmaße angenommen. Hinzu kamen überarbeitete
Fotos nach Doré, Zanetti, Franz Xaver Messerschmidt, Van
Gogh, Leonardo etc. Parallel dazu hat Rainer seit 1973 auch begonnen,
direkt mit Händen und Füßen ("Finger- und Fußmalereien"
1973-1976) zu malen.
Gegenwärtig arbeitet Rainer in einem "Paralleluniversum"
seiner verschiedenen Praktiken. Große Ausstellungen im In-
und Ausland haben die internationale Bedeutung dieses Künstlers
bestätigt, der nach eigenen Worten "der heroische Zunichtemacher
sein (muß), weil er der Gläubige ist". |