Spiro, Nancy
 

Spiro, Nancy In einer expressiven Figurativität thematisiert Nancy Spero wie kaum eine andere Gegenwartskünstlerin weibliche Lebensentwürfe jenseits der patriarchalen Dominanz in einem weiblichen Bilderkontinuum in Malerei, Handdrucken und Collagen. Wie sie selbst formuliert, versucht sie, die Welt durch die Abbildung von Frauen zu beschreiben. Aus der Vergessenheit des Femininen macht Spero Anleihen im Bilderfundus der Kunstgeschichte, zitiert altorientalische und keltische Muttergöttinnen, Hera und Aphrodite und verwendet mittelalterliche Buchmalereien genauso wie urbane Graffiti-Malerei. Zeitgenössisches verbindet Spero mit Archaischem. In einem politisch-emanzipatorischen Kontext versucht sie mit einer "Peinture féminine" Frauen eine Stimme zu verleihen.

1926 in Cleveland als Tochter von Immigranten geboren, studiert sie von 1945-1949 an der School of the Art Institute of Chicago, geht dann nach New York und Chicago und heiratet den Maler Leon Golub. Bis 1964 lebt sie in Italien und und in Paris, wo 1962 ihre erste Einzelausstellung stattfindet. Seither lebt sie in New York, zusammen mit ihrem Mann, mit dem sie sich seit 1977 ein Atelier teilt. In "Nightmare Figures" (1961) oder "Mother and Children" (1962) enstehen lyrisch-romantische Bilder (Spero) mit dunklen Einzelgestalten und Paaren. Nach der Rückkehr nach New York führt der Schock über den Vietnam-Krieg zu den "War Series" (1966-1970), Gouachen auf Papier und Collagen. Der Krieg wird mittels einer brutalen Ikonographie ("Shitting Bombs", 1966) in den Zusammenhang von Macht, Sex, Lust und Aggression gestellt und als Dominanz der Männlichkeit enttarnt. Jenseits von Pop-Art, Konzeptualismus und Minimal Art empfindet sich Spero als "underground artist" (Spero), ihre künstlerischen Plädoyers scheinen sie aus der Kunstwelt verbannt zu haben.

Erst Ende der 70er Jahre findet sie im Zuge des Labels der "neo-figurativen" Kunst Beachtung. Spero beginnt mit Textelementen und collagierten Figuren zu arbeiten. Metaphern für Sexuelle, das Unbewußte, das Wort sind konstitutiv für die weitere Arbeit der Künstlerin. Nie verläßt sie dabei den Kontext des Politisch-Emanzipatorischen. In großflächigen Wandinstallationen beschwört sie Körperlichkeit mit geradezu sakraler Qualität.

Ende der 80er Jahre setzt eine fast erdrutschartige Rezeption ihres Werks ein. 1986 ist sie erstmals in Deutschland zu sehen, 1987 gibt es eine großangelegte Retrospektive in London und eine Wanderausstellung in den USA. An der Wende des zweiten Jahrtausends kann Spero für sich in Anspruch nehmen, ein utopisches Moment des Lebens ohne Dominanzverhältnisse und Abhängigkeiten jeder Art in die zeitgenössische Kunst einzubringen

  KünstlerInnen
 
      < zurück