|
Der
thailändische Künstler Rirkrit Tiravanija wurde 1961 in
Buenos Aires geboren und wuchs in seiner Heimat und in Kanada auf.
Mit 19 Jahren brach er die High School in Thailand ab in der Absicht
zu reisen und Fotojournalist zu werden. 1982 kam Tiravanija in die
USA, absolvierte das Whitney Independent Studies Program in New
York und studierte an der School of the Art Institute of Chicago,
an der Banff Center School of Fine Arts in Banff/Kanada und am Ontario
College of Art in Toronto.
Seit 1989 nimmt er mit Installationen, performanceartigen "Koch-Stücken",
Video- und Filmarbeiten an internationalen Ausstellungen wie den
Biennalen in Venedig, Lyon, Sao Paulo, Johannesburg und Kwangju
sowie bei den "Skulptur Projekte 97" in Münster,
teil. Tiravanijas Arbeiten sind im konventionellen Sinne keine Kunstwerke,
sondern stellen der Frage nach den Möglichkeiten des heutigen
Kunstmachens an sich. In seinen "Koch-Stücken" unterliegt
das Bearbeiten von Nahrungsmitteln, deren Speisereste in Tupperware-Behältern
aufbewahrt werden, einem ständigen Prozeß, einem Konservierungsvorgang
gleichkommend. Durch diese Handlungsweise nehmen die Arbeiten für
den Künstler einen archäologischen Charakter an und unterstehen
zugleich dem Prinzip des Nichtverschwendens unserer Ressourcen.
Die Vorstellung, den ganzen Müll ins Museum zu schaffen, konzentriert
sich in der 1995 entstandenen Arbeit "Müll-Ausstellung".
In jüngster Zeit verlagert sich hingegen sein Interesse auf
die Wiederverwendung von Abfallutensilien, die zum ständigen
Gebrauch bereitstehen. Diese Idee basiert auf dem Konflikt zwischen
Herstellung und Nützlichkeit von Dingen, die die Phantasie
des Betrachters herausfordern. In der Arbeit "Tomorrow is another
Day" (1996) ist in den Lokalitäten des Kölnischen
Kunstvereins ein Nachbau seines New Yorker Appartements für
den Besucher jederzeit kostenlos benutzbar, um den Menschen aufzuzeigen
wie man mit Kunst besser leben kann, aber auch wie die Kunst selbst
sinnvoll "überleben" kann.
Tiravanija ist der erste Preisträger des neugegründeten
CENTRAL-Kunstpreis und lebt in New York.
Wichtige Ausstellungen waren in jüngster Zeit u.a. im Kölnischen
Kunstverein, Köln, 1996, Le Consortium, Centre d'art Contemporain,
Dijon 1996, Gabriel Orozco. Rirkrit Tiravanija, The Living Museum,
Reykjavik 1996, Traffic, CAPC Musee d'art Contemporain, Bordeaux
1996, The Whitney Biennial, Whitney Museum, New York 1995. |