KEITH SONNIER   Environmental Works 1968-99        02 I 10 I 99 - 28 I 11 I 99      
   


   
    Kunsthaus Bregenz        
       
   

Der amerikanische Künstler Keith Sonnier (geboren 1941 in Mamou/Louisiana, lebt seit 1967 in New York)erlangte vor allem durch seine Skulpturen und Installationen mit farbigem Neonlicht internationale Bedeutung. Sein spektakulärstes Werk in Europa ist der über einen Kilometer lange, verschiedene Terminals verbindende "Lichtweg" im Münchener Flughafen.
Obwohl Neon und fluoreszierendes Licht seit nunmehr 30 Jahren einen integralen Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit bilden, zeichnen sich Sonniers Werke besonders durch die Vielfalt der eingesetzten Materialien und ihre formale wie thematische Komplexität aus. Seit Ende der 60er Jahre prägte er gemeinsam mit Richard Tuttle, Eva Hesse, Bruce Nauman, Richard Serra u.a., durch die Verwendung billiger, in der Kunst bis dahin unbeachteter Materialien wie Latex, Fiberglas, Neon, Aluminium und Glas sowie durch den offenen, prozesshaften Charakter seiner Arbeiten eine postminimalistische Auffassung von Skulptur ("New Sculpture").

Das Kunsthaus Bregenz zeigt im Rahmen einer umfassenden Einzelausstellung von Keith Sonnier exemplarische Beispiele seiner großen, seit Ende der 60er Jahre entstandenen Skulpturen und Rauminstallationen. Ergänzt wird die Werkschau durch eine fotografische Dokumentation seiner im öffentlichen Raum realisierten Auftragsarbeiten und eine Auswahl an Video-Kurzfilmen des Künstlers aus den 70er Jahren.

 
               
     
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Im Foyer des Kunsthauses werden Skulpturen aus unterschiedlichen Schaffensperioden Sonniers präsentiert, unter ihnen zwei frühe Lichtobjekte der 1969 begonnenen, bis dato nicht abgeschlossenen "BA-O-BA"-Serie, die eigens für die Bregenzer Ausstellung rekonstruiert wurden. Sonnier bezieht in dieser Werkserie, deren Titel in der französisch-haitischen Umgangssprache Farb- oder Lichtbad bedeutet, den Betrachter und den Raum durch die Verwendung von farbigem Neonlicht unmittelbar ein. Den prozesshaften Charakter der "BA-O-BA" verstärkt er, indem er das Neonlicht mit spiegelnden, glänzenden oder transparenten Materialien kombiniert. Die Wirkung seiner Arbeiten beschränkt sich jedoch keineswegs auf visuelle Reize. Vielmehr möchte Sonnier dem Ausstellungsbesucher eine synästhetische Wahrnehmung vermitteln: "Ich habe Werke geschaffen", so Sonnier in einem Interview, "die etwas damit zu tun haben, wie etwas aussieht, wie sich etwas anfühlt oder wie etwas riecht". So verwendet er etwa in einer der für Bregenz rekonstruierten "BA-O-BA"-Arbeiten weichen Schaumstoff, der dem starken optischen Reiz der farbigen Neonröhren einen haptischen hinzufügt.

Auch die 1987 entstandene Skulptur "Kiosk II" wird maßgeblich durch den Einsatz von Neonröhren geprägt, die den umgebenen Raum, den Betrachter und die Skulptur selbst in ein Farbbad tauchen und gleichzeitig die lineare Ausrichtung des Alumiumkörpers im Raum betonen. "Kiosk II" war eines der ersten freistehenden, raumgreifenden Lichtobjekte Sonniers und hatte maßgeblichen Einfluß auf seine öffentlichen Auftragsarbeiten der folgenden Jahre.

 
               
     
       
               
   

Die nahezu sechs Meter lange Stoffskulptur "El Globo" (1992), ein von zwei elektrischen Gebläsen in der Schwebe gehaltener Windsack aus Segeltuch, knüpft an frühe Stoffarbeiten des Künstlers an, kombiniert diese jedoch mit Siebdrucken graphischer Darstellungen von global vernetzten Übertragungssystemen, Licht- und Schallwellen sowie internationalen Börsenkursen. Mit dem Thema der globalen Kommunikation und verschiedenen Übertragungstechniken wie Telekommunikation, Rundfunk- und Fernsehübertragungen hat Sonnier sich bereits in zahlreichen Video- und Toninstallationen auseinandergesetzt. Auf der obersten Ausstellungsetage des Kunsthauses wird er eine komplexe Videoinstallation einrichten, die Programme internationaler Fernsehsender mit Live-Aufnahmen aus dem Kunsthaus kombiniert. Zum Teil weit voneinander entfernte Orte werden miteinander verbunden und für den Ausstellungsbesucher in Form von Bild- und Tonübertragungen erfahrbar gemacht. Diese Videoarbeit knüpft an eine frühe Rauminstallation Sonniers mit dem Titel "Channel Mix" an, die vier Fernsehprogramme auf zwei vertikal geteilten Leinwänden zeigte und erstmals 1972 bei Leo Castelli in New York installiert wurde.

Im ersten Obergeschoss gelangt der Ausstellungsbesucher in eine Rauminstallation aus Schaumstoffelementen, fluoreszierendem Farbpulver und Schwarzlicht, die 1970 für das Van Abbemuseum in Eindhoven entworfen wurde und nun - nahezu 30 Jahre später - im Kunsthaus Bregenz erstmals wieder zu sehen sein wird. Betritt der Besucher die Ausstellungsetage wird er Teil dieser Installation. Wenn er im abgedunkelten Raum zwischen den leuchtenden Schaumstoffelementen umhergeht, ändert sich durch die Wirkung von Schwarzlicht in Kombination mit fluoreszierendem Pulver seine Farb-, Raum- und Körperwahrnehmung. An dieser Arbeit interessiert Sonnier vor allem, wie der Ausstellungsbesucher sich durch die Rauminstallation bewegt und wie er sie unter den gegebenen, extremen Lichtbedingungen wahrnimmt.

Für die Fassade des Kunsthauses hat Keith Sonnier eine Lichtinstallation entworfen, die den Glaskubus in einen überdimensionalen Computermonitor verwandelt, auf dem in zeitlicher und räumlicher Abfolge weithin sichtbare, teilweise codierte Zahlensequenzen aufscheinen werden.

 
               
   
Millennium 2000
Ansicht Eingang
Millenium 2000
Ansicht Theater
Millennium 2000
Ansicht See
 
           
    Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und ein neuer Band der vom KUB publizierten Serie "Werkdokumente archiv kunst architektur" über die in den 80er und 90er Jahren von Keith Sonnier realisierten öffentlichen Auftragsarbeiten.  
           
               
     
    Channel Mix 1972 - 73, Video Installation    
       
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